Bedrängnis

 

Gerhard Tersteegen, der Herkunft und der Zunft nach soetwas wie ein früher Stoppok, hat sein erstes Werk mit „Blumengärtlein“, genauer mit „Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen“ überschrieben. Empfindsamkeit meets DIY-Wahn, denkt man und hofft auf eine geistliche Lösung für die in Bedrängnis geratenen Kürbispflänzchen. Doch der Titel hält keines seiner Versprechen. Das gesamte Feld der Gartenbaumetaphorik bleibt ungenutzt, kein Blumengedicht, keine Weinberg-des-Herrn-Ode, keine Kürbisschädlingslitanei. Der abstrakten Sprache nach zu urteilen, hatte der Mann gar keinen Garten, stattdessen nur Gnade, Liebe, Offenbarung und Heiligung im Kopf. Lediglich ein Bild für das Leben auf Erden fällt ihm ein, die Schifffahrt. Und so zettelt er eine Verlängerung des Evergreens „Es kommt ein Schiff geladen“ an:

Geistliche Schifffahrt
Stroman geht meine Reis‘, wie soll ich’s machen dann,
Ich bin so matt und müd‘, daß ich nicht rudern kann?
Hier sitz‘ ich still und wart‘, die Segel haltend auf,
Bis daß ein guter Wind befördre meinen Lauf.

Vieles ließe sich sagen über die etwas nachlässige (ruhrgebietstypische?) Haltung des geistlichen Seefahrers oder auch darüber, dass das „Blumengärtlein“ keineswegs ein Gartenbuch ist …

 

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