Circle of Life

Vor ungefähr zwei Monaten habe ich einen Tipp aus der GLAMOUR beherzigt. In einem Interview mit Berliner Glamour-Laubenpiepern war da zu lesen: „Rosenkohl, Mangold und Bohnen funktionieren super.“ Recht haben sie. Heute schaut mich unser Mangold mit einem Selbstbewusstsein an, von dem ich nur träumen kann. Das eigene und das pflanzliche Wachsen und Gedeihen sollen allerdings in keinem gänzlich gegenläufigen Verhältnis stehen, das jedenfalls behauptet die berühmte Glamour-Gardening-Expertin Alys Fowler diese Woche in ihrer Guardian-Kolumne: „Want your plants to feed you? Then you have to feed them.“

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Size does matter

Zucchini also. Das kannte man ja bis in die frühen 80er-Jahre überhaupt nicht. Aber plötzlich war es da, dieses Gemüse, bei dem man nicht so recht wusste, was tun damit. Frittieren? Nicht schlecht. Braten? Auch in Ordnung. Kochen? Geht auch. Damit backen? Nur in höchster Not.

Die war jedoch damals an der Tagesordnung. Denn Muttern erntete natürlich nicht keine 2o Zentimeter-Früchte. Damals wurde die Erntereife noch in Metern gemessen. Oder besser noch: in Kilos. Riesenzucchini belagerten die Beete wie Zeppeline. Diese unförmigen Biomasse-Klumpen wollten schließlich auch verarbeitet werden. Also gab es Gedünstetes, Gebratenes, Gesottenes, Zucchini-Milkshakes und Zucchini-Mousse zum Nachtisch. So lange, bis wir Kinder streikten. Dann verlegte sich die Mutter auf gemeinere Arten, uns diese hypertrophen Kolben unterzujubeln: Kleingeraspelt bis zur Unkenntlichkeit, wurden sie in Backwaren aller Art eingeschmuggelt. Irgendwann wurde Vater stutzig, was denn diese grünen Dinger im Rührkuchen waren. Das war ein Urvertrauensverlust in Mutters Backkunst, von dem er sich bis heute nicht erholt hat.

Wir dagegen verzweifeln jedes Jahr aufs Neue, wenn sich bei jungen Zucchini-Pflanzen zuerst nur männliche, langstielige Blüten bilden und die weiblichen Fruchtansätze ausbleiben. Erfahrungsgemäß kommen letztere immer etwas später. Verzweifelte Internet-Foren-Besucher verleitet das schon mal zu homophoben Annahmen:

„Ich habe das Gefühl mein Zucchini geht mit der Zeit und ist schwul!“

mutmaßt hunne36 im Forum des Magazins „Mein schöner Garten“. Liebe(r) hunne36, möchte man an dieser Stelle sagen, Homosexualität ist im Pflanzenreich nicht allzu weit verbreitet. Deine Zucchini ist so hetenmäßig drauf wie nur irgendwas. Und sei versichert: Gäbe es irgendetwas, das dieses hemmungslose Zucchini-Wachstum auch nur ein Jota einschränken könnte – wir hätten es schon in den 80-ern gefunden!

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Ob man das jetzt wirklich wissen muss…

2,5 Millionen Rasenmäher hat Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2010 importiert. Aha. Das entspricht einer satten Steigerung von 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. So so. Weiter dichtet das Bundesamt:

„Die meisten nach Deutschland eingeführten Rasenmäher – von handbetriebenen bis hin zu Aufsitzrasenmähern – kamen im vergangenen Jahr mit 1,0 Millionen Stück aus der Volksrepublik China, gefolgt von 680 000 aus dem Vereinigten Königreich.“

Das ist aufschlussreich. Exportiert worden seien im gleichen Zeitraum dagegen nur 1,3 Millionen Rasenmäher. Wieso nur? 2010 habe ich mir einen Rasenmäher gekauft. Dieser kommt aus Italien. Seither stehen drei in unserer Laube herum. Das ist eindeutig einer zu viel. Morgen werde ich einen davon wegwerfen. Ob das auch in einer Statistik auftaucht?

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Herrentag

Der Weg führte am Vatertag durch fremder Kolonien Gärten. Dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird, zeigte der durch Fahrradunterstützung erhöhte Blick über die Hecken, bei deren Anblick Gartenfachberater und „Heckenpolizist“ Jochen Linke aus der nach wie vor unerreichten Serie Die Laubenpieper von Pankow einen Blutsturz erlitten hätte. 1,50 bis 1,80 Meter ragte der Bewuchs teils in die Höhe, eingemauert waren so viele Parzellen.

Wo man reinlinsen konnte, das ewig gleiche Bild: Grill, Pool, Alibi-Tomaten.
Dann aber ein Blick ins Vereinsleben: Die Väter hatten sich den „Herrentag“ sauer verdient. DJ Mirco sorgte schon am späten Vormittag ordentlich für Stimmung. Grillschwaden zogen die Wege entlang. Das aber kein Vergleich zu den Orgien im Treptower Park: Eine Nebelbank hatte sich dort festgesetzt, Männer lagerten wie die sprichwörtlichen Hunnen, die bemitleidenswerte Belegschaft der nahen Tankstelle hatte mit lauthals Nachschub einforderdernden Trupps tätowierter Menschen ihre liebe Not.

Unsere Sympathie galt aber dem jungen Mann auf dem Stromverteiler-Kasten. Gerade als wir vorbeifuhren, wachte er auf. Vermutlich hatte er dort oben geschlafen. Unbeschuht und weitgehend orientierungslos fragte er uns, welchen Wochentag wir wohl hätten, sprang herunter und stakste davon wie ein Insekt, dem man zwei bis vier Beine ausgerissen hatte.

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Rasenmäher und E10

Worüber natürlich keiner nachgedacht hat, bei dem ganzen E10-Hickhack: Was macht der (relativ) neue Kraftstoff mit meinem Rasenmäher? Meiner Motorsäge? Meinem Freischneider? Mein soeben eingetroffener „Gartenfreund“ weiß Bescheid: Demnach seien Mähintervalle von zwei Wochen problematisch, da sich E10 angeblich schneller entmischt und dadurch eine Arte Ethanol-Schlacke entsteht, die den Motor schrottet. Deshalb muss man jetzt immer gut dosieren oder notfalls den Mäher laufen lassen, bis der Tank leer ist. Keine Umstellung also für Nachbar Pasulke. Der hält das eh schon so. Sein Vetter besitzt eine Tankstelle und uns hasst er. Wir mähen nämlich mit Atomstrom und werfen ihm immer die Schnecken in den Garten.

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Aussprache

Auf ter Stegen wird es für die Borussia morgen Abend vor allem ankommen. Seine Fans sind sicher, dass er auch in Bochum den Kasten sauber hält: „Ihr spielt wieder zu null“ ermutigt Simon Hambacher via Facebook den Torwarts, der – glaubt man den eigenen Anhängern – bald Manuel überholen wird: „Du wirst mal der beste Torwart der Welt, glaub‘s mir. Das sagen sogar alle in meinem Kreis“ (Martin Schiffer). Alle in Martins Kreis!

Schon letzte Woche hatte das Kommentatoren-Team der ARD Probleme mit der Aussprache. Muss man nun tEr.stegen sagen, ter.stEgen oder gar tEr.schtegen? Claus Lufen und seine Kollegen redeten daher wie schwäbische Pietisten, die versuchen, den Namen ihres Lieblingsdichters einigermaßen verständlich zu artikulieren. Der Pressesprecher der von Gerhard Tersteegen nachhaltig geprägten Kindernothilfe weiß indessen, wie man sagen muss: ter.stEgen nämlich.

Auch die Schreibung wirft Fragen auf. Heißt „ter“ so etwas wie „von“ oder „zu“? Dann kämen die Vorfahren der beiden aus Stegen bzw. Steegen. Oder wie ließe sich die Verbindung beider Silben im Laufe der komplizierten ruhrpöttischen Sprachgeschichte sonst herleiten? Stegen liegt jedenfalls in der Nähe von Freiburg und ist Heimat des weltberühmten Gehörbehindertenzentrums, das sich von anderen Zentren dieser Art durch einen schönen, gut gepflegten Fußballrasenplatz abhebt. Ganz in der Nähe liegt die Schrebergartenkolonie „Wonnhalde“. Auf dem Grundstück Nr. 678 ist derzeit ein kleines Playmobil-Stilleben zu besichtigen, das auf den letzten Fußballabend dieser Bundesliga-Saison einstimmen soll. Anschließend: saure Gurken.

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Bedrängnis

 

Gerhard Tersteegen, der Herkunft und der Zunft nach soetwas wie ein früher Stoppok, hat sein erstes Werk mit „Blumengärtlein“, genauer mit „Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen“ überschrieben. Empfindsamkeit meets DIY-Wahn, denkt man und hofft auf eine geistliche Lösung für die in Bedrängnis geratenen Kürbispflänzchen. Doch der Titel hält keines seiner Versprechen. Das gesamte Feld der Gartenbaumetaphorik bleibt ungenutzt, kein Blumengedicht, keine Weinberg-des-Herrn-Ode, keine Kürbisschädlingslitanei. Der abstrakten Sprache nach zu urteilen, hatte der Mann gar keinen Garten, stattdessen nur Gnade, Liebe, Offenbarung und Heiligung im Kopf. Lediglich ein Bild für das Leben auf Erden fällt ihm ein, die Schifffahrt. Und so zettelt er eine Verlängerung des Evergreens „Es kommt ein Schiff geladen“ an:

Geistliche Schifffahrt
Stroman geht meine Reis‘, wie soll ich’s machen dann,
Ich bin so matt und müd‘, daß ich nicht rudern kann?
Hier sitz‘ ich still und wart‘, die Segel haltend auf,
Bis daß ein guter Wind befördre meinen Lauf.

Vieles ließe sich sagen über die etwas nachlässige (ruhrgebietstypische?) Haltung des geistlichen Seefahrers oder auch darüber, dass das „Blumengärtlein“ keineswegs ein Gartenbuch ist …

 

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Eisheilig

Kleingärtner sind gierige Menschen. Nun ist es ja nicht so, dass wir Vegetationszeiten wie in der Tundra hätten. Aber dennoch: Wer im Mai am frühesten die Zucchini, Tomaten und Kürbisse rausbringt, der hat auch den frühesten Ertrag. Das hat aber etwas von Zocken an sich. Nachbar Pitsch von Parzelle 12 war leider zu gierig – und hat verzockt.

„47 Tomatenpflanzen!“, jammerte er heute im Vorübergehen. Und machte eine schnelle Bewegung mit der flachen Hand am Hals entlang. Die jüngsten Nachtfröste haben ganze Arbeit geleistet. „Auch die Gurken, die Zucchinis und Kürbisse“. Und wieder dieses Gurgeldurchschneiden. Der Mann war sichtlich zerstört.

Alter Hasenfuß der ich bin, brachte ich nur eine Zucchinipflanze ins Freie aus.

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Glückslängen

Wenn du eine Stunde glücklich sein willst, betrinke dich.
Wenn du ein Jahr glücklich sein willst, nimm dir eine Frau.
Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, kümmere dich um den Garten.
Badisches oder chinesisches Sprichwort

Der Schnaps steht im Hochbeet,
die Frau hackt irgendwo zwischen Bildhinter- und vordergrund
– beides umgeben von dem Garten, um den ich mich kümmere.

 

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Das Insektenhotel

Eine Meisterleistung ingeniöser Baukunst ist unser jüngst aus einer alten Teekiste zusammengeleimtes Insektenhotel. Dass sich die Insekten bislang standhaft weigern, in selbiges einzuziehen, befremdet uns etwas. Die Kinder versuchen sich als Fluglotsen und geben sich die größte Mühe, vorbeisurrendes Getier dorthin zu leiten. Allein: Es hilft nichts. Und das obwohl zur Verdickung und Klebrigkeitsmachung von Zwischenraum-Füllsand wohlschmeckendes Rübenkraut untergerührt wurde. Hinweise, wie sich da willenlose Insekten hineinzwingen lassen, bitte in die Kommentare.

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