Die Rettich-Rippe

Im Garten und im Garten-Blog geht es manchmal so zu wie in nordenglischen Eisenwarenläden: „Jede Menge harte Objekte aus kompromisslosen Metallen. Jede Menge ganz große Sachen mit Gashebeln und auswechselbaren Klingen“ (wie Simon Armitage dieses Welt-Segment beschreibt). Jede Menge technische Fragen, Knauf-Ständerwände, Terrassenkonstruktionen und Imprägnierungen, außerdem Schleifen, Schaben, Kratzen, Fluchen. Dabei gerät, wie soll man sagen, die weibliche Seite des Gartens völlig aus dem Blick: zarte Blüten, weiche Rundungen, die andere Seite der Erotik eben, die ich nach einer Phase der technischen Machbarkeits-Kontemplation (Terrassenverpflanzung in Freiburg, Farbenbeschaffung in Berlin) auf einem Garten- und Erntespaziergang mal wieder aufstöbern wollte. Worauf bin ich gestoßen?

Auf Rettiche. An einem der vielen war der Kontrast zu den besagten harten eckigen Objekten leicht auszumachen. Gleich habe ich meine auswechselbare Klinge aus der Tasche genommen und ihn ein wenig zurechtgemacht. Ich wollte seine menschliche Seite noch etwas präziser herausarbeiten. Das parsley field wirkt zwar immer noch ein wenig verrutscht. Die Hautfarbe stimmt auch noch nicht ganz. Aber unter der Form kann man sich bereits etwas vorstellen. Der Rettich, eine Rippe?

Simon Armitage im Original: “Lots of stern objects made from uncompromising metals. Lots of ‘big ticket’ items with throttles and interchangeable blades.” (In: Seeing Stars. London: Faber & Faber 2010, S. 55.)

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